Das Moseltal, das seinen Reichtum der Tatsache verdankt, dass es nahe am Wasser liegt und fruchtbaren Boden hat, war schon vor der Römerzeit bewohnt. Was Grevenmacher betrifft, so befand sich eine erste Siedlung weiter oben hinter der Kreuzkapelle auf der Anhöhe "Burggruef" an der Römerstraße nach Luxemburg.

Die Grafen von Luxemburg wählten einige Jahrhunderte später einen strategisch wichtigen Punkt aus, um ihre Ländereien vor den mächtigen Erzbischöfen von Trier abzusichern. Dieser Punkt befand sich in "Grevenmacher im Tal", im 7. Jahrhundert erstmals als "Machara" und "Machera" erwähnt, wo die Hauptstraßen Luxemburg-Trier und Trier-Diedenhofen sich kreuzten. Hier entstand, wohl unter Graf Heinrich V., dem Blonden, Sohn der einflußreichen Gräfin Ermesinde - er schenkte Grevenmacher im Jahre 1252 die Freiheit - eine schützende Festung, die 1688 geschleiftt wurde.

Im Laufe der Jahrhunderte oft zerstört und gebrandschatzt, hat sich die heimelige Ortschaft an der Mosel nach und nach zum modernen Distrikts- und Kantonalhauptort entwickelt. Die zukunftsorientierte Moselmetropole und Geschäftsstadt Grevenmacher blickt heute stolz auf ihre geschichtsträchtige Vergangenheit zurück, und lädt Sie dazu ein, bei einem kulturhistorischen Rundgang innerhalb der alten Festungsmauern die Spuren dieser Vergangenheit zu entdecken.

 

Beginnen wir den Rundgang durch Grevenmacher beim alten Festungsturm, seit 1782 Kirchenturm der Dekanatskirche Sankt Laurentius, deren Besichtigung sich lohnt. Der frühere Wacht- und Wehrturm - 26 m hoch, mit 1,50 - 1,80 m dicken Maueren versehen - der einst von einem Wassergraben umgeben war und den Stürmen der Zeit die Stirn bot, liegt genau im Mittelpunkt der alten Festung.

Am Eingang der einladenden Fußgängerzone befinden Sie sich vor einem viel beachteten Denkmal. Vom Künstler Will Lofy aus Luxemburg geschaffen, stellt es eine der legendärsten Gestalten Grevenmachers, einen umherziehenden Bänkelsänger namens "Blannen Theis" (Mathias Schou, 1747-1824), mit seinem Hund dar. 

Durch die Fußgängerzone, an einer Reihe von einladenen Geschäften vorbei, begeben wir uns jener Hauptkreuzung, an der einst die Straßen von Trier, Diedenhofen und Luxemburg zusammenkamen - dem "Prosteneek". Die "Kondschaftler" (Kundschaftler - nach einem Aquarelle des Moselmalers Jean Pierre Beckius), die sich auf dem Brunnen von Guy Chalier aus Trier befinden, luden früher zum ersten Weinmarkt an der Luxemburger Mosel ein.

Wir bleiben in der schmucken Fußgängerzone, biegen nach links in die Trierer Straße ein, kommen an altersstolzen Patrizierhäusern vorbei und verweilen am Ende der Fußgängerzone vor dem herrschaftlichen Peter von Osburg-Haus, auf dessen Freitreppe sich das Stadtwappen befindet. Zu Beginn des 15. Jahrhunderts schenkte der Edelmann Peter von Osburg der Stadt Grevenmacher sein Hab und Gut und stiftete zudem eines der ersten Zivilhospize - der Bürgerspitäler - Luxemburgs. Heute ist das Gebäude, in dem die Schwestern der Christlichen Lehre bis 1980 wohnten und in dem zeitweilig Schulklassen untergebracht waren, Kulturhaus - mit Musikschule, Stadtbibliothek und kleiner Kunstgalerie - der Stadt Grevenmacher.

Nicht weit vom Pevon Osburg-Haus entfernt befand sich mit der Trierer Pforte einer der vier Eingänge in die Festung mit ihrer ter fast quadratischen Festungsmauer (280 x 250 m). Diese Pforte wurde erst 1812 eingerissen.

Durch die Peter von Osburg-Straße gelangen wir zum Marktplatz, der nach dem großen Brand von 1822 - bei den 147 Häuser und 20 Scheunen zerstrört wurden - entstand. Lediglich der Bacchus-Kopf an einem Geschäftshaus am oberen Teil des Marktplatzes erinnert daran, dass sich in früheren Zeiten hier eine Kellerei befand.

Wir überqueren den Marktplatz, lassen das Stadthaus, rechts liegen und kommen in den oberen Teil der Großgasse, in dem früher der Markt abgehalten wurde. Hier - zwischen Festungsturm, Haus des Grafen und Stadthaus, damals mit Arkaden versehen, unter denen die Stadtrichter ihre Urteile sprachen - stand auch das Marktkreuz, denn Grevenmacher erhielt das Marktrecht im Jahre 1358 von Herzog Wenzel I.

Vier Gassen zu unserer Rechten zeugen davon, dass die Stadt selbst - genau wie die Festung - systematisch angelegt wurde. Durch die "Kofferschmattsgässel" (Kupferschmiedegasse; sie bot in früheren Zeiten den Kupferschmieden Heimat), in der man sich von der gelungenen Sanierung der Altstadt überzeugen kann, kommen wir in die "Schaackegässel" (Schaackengasse; sie hat ihren Namen, wie viele andere Straßen in Grevenmacher, von jenem Bürger, der im ersten Haus wohnte oder von einer anderen wichtigen Persöhnlichkeit, die hier Quartier bezogen hatte) und zurück in die Großgasse.

Zu unserer Linken befindet sich an der Nummer 21 dieser Straße das Geburtshaus des bekannten Luxemburger Malers und Schriftstellers Frantz Seimetz (1858-1934). Die Stadt Grevenmacher verfügt über eine bedeutende Sammlung von Gemälden und Zeichnungen dieses Weltenbummlers.

Dort, wo die Straße nach links in Richtung Luxemburg abbiegt, stehen wir vor einem Gebäude, das z.T. noch wie früher aussieht: das alte "Hôtel de Luxembourg", bis 1924 Station der Postkutsche, die, von Luxemburg herkommend, nach Echternach und Trier fuhr. Links vom Haus befanden sich Schuppen und Pferdeställe. Direkt daneben steht das Dechantenhaus aus dem Jahre 1708.

Vergessen Sie jetzt nicht, einen Blick in die pittoreske Gasse mit ihren Arkaden auf der rechten Seite des Gebäudes zu werfen!

Die Winzer und Wagner, die hier wohnten, hatten sich im gesamten Moseltal einen Namen gemacht.

Wir gehen durch die Spitalstraße, wo sich auf der rechten Seite die Gebäude der Franziskanerinnen (Alten- und Pflegeheim sowie Tagestätte für ältere Mitbürger), befinden. Seit 1869 leisten die Barmherzigen Schwestern in Sachen Erziehung sowie Kranken und Altenpflege unschätzbare Dienste in der Moselmetropole.

Dort, wo die Spitalstraße in die Ringmauerstraße einmündet, sieht man wohl die schönsten Überreste der alten Festung, u.a. der Münscheckerpforte. Man hat dem Turm im Volksmund den Namen "Huelen Zant" ("Hohler Zahn") gegeben. Er wurde nach wissenschaftlichen Richtlinien restauriert. Im Ort genannt "an der Mill" ("in der Mühle"), etwas tiefer neben dem Festungsturm gelegen, wo der "Roiderbach" das Mühlenrad drehen ließ, verdienten in alten Zeiten viele Leute ihr Brot. Nicht weit davon entfernt, auf der linken Seite der Ringmauerstraße in Richtung Marktplatz, befindet sich ein heimliches Schlupfloch, "Gängelchen", genannt, das durch die Festungsmauer über den gedeckten Festungsgraben umgab die Festungsmauer und wurde vom Wasser des "Roiderbach" und des "Johannisbach" gespeist - führte und in der "Katreinergaass" (Katharinengasse) mündete.

Begeben wir uns nun zurück zur Spitalstraße und werfen wir, bevor wir erneut in diese einbiegen, einen  Blick in jene Gärten auf der rechten Seite, die der begüterten Familie de Baxeras gehörten. Hier sieht man wohl die schönsten Überreste der alten Festung, u.a. der Münscheckerpforte. Bei einer Grabung, die in den Jahren 2004/2005 vom staatlichen Museum für Kunst und Geschichte durchgeführt wurde, stiess man im sog. Baxerasgarten auf spektakuläre mittelalterliche und vormittelalterliche Funde, die darauf deuten lassen, dass Grevenmacher bereits sehr früh besiedelt war.

Am unteren Ende der Spitalstraße biegen wir diesmal rechts in die Turmgasse ("ruelle des Bastions"), ein. Am Eingang dieser Gasse befand sich in einer dunklen Ecke der einzige Waschbrunnen innerhalb der Festungsmauer, der "Kundel". Von ihm gibt es leider keine Spur mehr.

 

Zwischen hohen Mauern wandern wir in Richtung Luxemburger Straße, zu jener Stelle, wo sich auch die Luxemburger Pforte befand. "Unter dem Bogen" heisst der Durchgang auf der anderen Straßenseite, den wir wählen, um den Bereich der einstigen Festung kurz zu verlassen. Hinter der kleinen Brücke, die über den Johannisbach führt, sieht man nicht nur Überreste des westlichen Eckturmes - er war, wie alle vier Ecktürme, 20 m hoch - sondern auch des Wassergrabens um die Festungsmauer.

Es lohnt sich, nun die Stufen auf der anderen Straßenseite hinaufzusteigen, um, vorbei an den Kreuzwegstationen, den Kreuzerberg - seit 1956 Totengedänkstätte der Stadt Grevenmacher - zu erreichen. Hier thront seit Jahrhunderten das Wahrzeichen des Moselstädtchens, die legendenumwobene Kreuzkapelle mit ihrem großen, steineren Kreuz als Herzstück. Im Jahre 1737 wurde die jetzige Kapelle, in die man einen Blick werfen kann, errichtet.

Vom Kreuzerberg aus genießen wir die herrliche Aussicht auf das Städtchen, das mit der 1921 errichteten Primärschule, dem 1969 erbauten "Lycée Technique Joseph Bech", der 1921 gegründeten, ältesten Genossenschaftskellerei der Luxemburger Mosel, seit 1966 "Vinmoselle" und der Kellerei Bernard-Massard aufwarten kann. 

   

Und mit Spitzenweinen aus besten Lagen, wie "Pietert", "Fels" oder auch "Groärd". In Grevenmacher befinden sich zudem ein Schmetterlingsgarten, ein Campingplatz, ein Freiluftschwimmbad, ein Sportstadion ("op Flohr"), ein Sport- und Kulturzentrum, eine Moselpromenade mit Spielplatz sowie eine Staustufe mit Schleuse auf der sei 1964 kanalisierten Mosel. Seit dem Jahre 2000 befindet sich am Nordausgang der Stadt der "Kulturhuef" in dem sich ein Druckmuseum und Spielkartenmuseum, sowie ein Kino, ein Café und eine Kunstgalerie befinden.

   

Kehren wir auf demselben Weg in die Festung zurück, um dort unseren Rundgang fortzusetzen. Wieder in der Luxemburger Straße angelangt, gehen wir ein kleines Stück Richtung Zentrum und biegen dann rechts in die "Syr" ein. Diese malerische enge Gasse, die davon zeugt, dass der Raum innerhalb der Festungsmauern knapp bemessen war - die schmalen Häuser lehnen sich z.T. an die alte Festungsmauer an - ist auch heute noch ein beliebtes Motiv für Moselmaler, denn sie hat einen Teil ihres ursprünglichen Aussehens bewahrt.

Wir überqueren die Kirchstraße, in der sich die "Zehntscheune" mit dem markanten Treppenturm aus der Renaissance befindet - hier mussten die Grevenmacher Winzer und Bauern den neunten Teil der Ernte für den Grafen von Luxemburg abgeben. Durch die "untere Syr" gelangen wir schließlich an den Platz der vierten Festungspforte, der Diedenhofener Pforte. Die Staatssparkasse - mit der runden Form eines Festungsturmes - soll an diese Pforte erinnern. Als 1959 die Fundamente für den Neubau dieses Gebäudes ausgehoben wurden, machte man äußerst interessante Funde, was die "Geisterabwehr bei unseren Vorfahren" (Lokalhistoriker Joseph Hurt) und damit Volksbrauch und Volksglauben betrifft.

Wir gehen am besagten Gebäude vorbei, lassen die neue Moselbrücke rechts liegen, die seit 1956 wieder Menschen und Länder verbindet - nachdem das Grenzstädtchen Grevenmacher bei den Wirren des Zweiten Weltkrieges arg in Mitleidenschaft gezogen und die alte Brücke (1880-1944) zerstört worden war - und biegen in die "Webergaass" ein, die ihren Namen von den Handwerkern hat, welche hier ihre Webstühle aufgestellt hatten. Auch deise enge Gasse zeugt davon - genau wie die Parallelstraße in Richtung Mosel, der "Stuet" - dass das Handwerk früher in Grevenmacher lebte, und dass fleißige Handwerker ihren Beitrag zum Wohlstand des heimeligen Städtchens an der Mosel leisteten.

Auf halbem Weg kreuzt die Victor Prost-Straße unsere Gasse. Wir wollen an dieser Stelle in Richtung "Prosteneek" abbiegen und unseren Rundgang im Herzen der Moselmetropole beenden. Vielleicht, indem wir das Spitzenprodukt unserer Mosel zusammen mit Grevenmacher Gastlichkeit genießen und uns dabei vom oft zitierten Frohsinn der Moselaner anstecken lassen ...

(Text: Monique Hermes)

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