Die Kreuzkapelle

„Droben stehet die Kapelle,
schauet still ins Tal hinab."
(L. Uhland)

Schauet seit Jahrhunderten hinab aufs Städtchen, dessen Wahrzeichen sie geworden, schauet über die weiten Weinbergterrassen nieder, schauet hinaus ins weite Moselland, heute so still und friedlich - so oft erfüllt vom Schrecken des Krieges.

Über die Kapelle breiten zwei stattliche Walnussbäume ihre viel ästigen Kronen aus. Spitz und schlank sticht der zierliche Turm in den blauen Himmel. Über der alten Eingangstür steht die Jahreszahl 1737, und darüber grüßt ein schweres, hölzernes Kreuzbild, Abschluss und Krönung eines Kreuzweges, dessen Stationen rechts vom steinigen Aufstieg zur Kapelle stehen und im Jahre 1875 von den Geschwistern Schoren gestiftet wurden.

Das Kreuzbild

In der Kapelle ragt über dem Altar mächtig das uralte, steinerne Kreuzbild.

Es geht von ihm die Sage, es sei die Mosel herauf geschwommen (gegen den Strom) und habe mit dem rechten Arm nach dem Berg gezeigt (siehe: „Velleda. Die Drude von Machern - Erzählung aus Geschichte und Sage der Stadt Grevenmacher", Peter Olinger, Ehrenschulinspektor, 1935). Schließlich fand es droben seine Heimstätte. Von dem Kreuz erhielt der Berg seinen Namen.

Nach der Geschichte wäre das Kreuz aufgerichtet worden als Friedenszeichen zwischen dem Erzbischof von Trier und dem Grafen Heinrich IV. von Luxemburg (im 12. Jahrhundert).

Die Kapelle wurde erst gegen 1737 erbaut oder umgeändert. Im Jahre 1944 wurde sie größtenteils durch Granateneinschläge zerstört - 1946 wurde sie wieder restauriert und im März 1947 konnte die erste Messe wieder daselbst gefeiert werden. Das Kreuzbild war intakt geblieben.

Der Kreuzweg

Die Stationen wurden 1875 errichtet (gestiftet) von den Geschwistern Jeannette und Pauline Schoren. Vor diesen Stationsbildern standen alte Kreuzwegbilder von dem Weg aus der Stadt bis zur Anhöhe. Das erste Bild befand sich vor dem Luxemburger Tor (bei dem heutigen Hause Donckel), das zweite bei dem alten Haus „Sentemär" (vis-à-vis von Bastian-Hebeler), ein drittes an der alten steinernen Brücke und das vierte unten am Berge. - Noch heute sind auf dem Kreuzerberg drei Säulenstücke eines alten Kreuzweges, zwei Kopfstücke von älteren Kreuzbildern sind in diese Fassade der Kapelle eingebaut.

Jahrhunderte lang pilgerten die Bewohner der Stadt Grevenmacher zur altehrwürdigen Kapelle und feierten hier ihre heilige Kreuzfeste. Bis ihnen nach und nach der Weg zu beschwerlich wurde.

Noch heute wird an Freitagen der heiligen Fastenzeit droben Messe gehalten mit Verehrung der alten und schönen Kreuzreliquie. - Jeden Sonntag der Fastenzeit wird der Rosenkranz vom bitteren Leiden gebetet. Am Mittfastensonntag ist eine große Bittprozession.

Am St. Rochusfest, 16. August, geht noch immer die Prozession hinauf zur Kapelle, wo ein feierliches Hochamt mit Predigt gehalten wird. Es ist dies ein Gelübde, gemacht in der schweren Zeit der Pest und Cholera. St. Rochus, dessen Statue in der Kapelle steht, soll die Stadt schützen gegen jegliche Krankheit und Seuche.

Am hl. Karfreitag zieht es die Gläubigen hin zum Kreuzerberg. Die ganze Nacht und tagsüber steigen fromme Pilger den Berg hinauf; sie beten die Stationen und verehren darauf das Kruzifix in der Kapelle.

Prozessionen zum Kreuzerberg:

    1.  Am Sonntag „Laetare" (Halbfasten). 
    2. Am Palmsonntag
    3. Rochusprozession.
    4. Markusprozession.
    5. Bittprozession.
    6.

Vom Gründonnerstagabend bis in den Vormittag des Karfreitags gehen viele Grevenmacher Bürger zur Kreuzkapelle und beten dort den Rosenkranz und den Kreuzweg.
    7. Am Karfreitag wird der Kreuzweg in Prozession gebetet.

Sonst ist es das ganze  Jahr hindurch still um die alte Kapelle. Nur zur Sommerzeit besichtigen viele Touristen den Kreuzerberg (wegen der schönen Weitsicht) und die Kapelle wegen des Kreuzbildes, das immer wieder einen besonderen ausübt auf den Besucher.

„Auf die Höhen müsst ihr steigen,
In die klare Bergesluft,
Und den Blick hernieder neigen,
In das Tal voll Rebenduft."

(Aus einem Heimatkundeheft aus dem Jahr 1952,
zusammengestellt von den Schulschwestern Johanna Colling und Lucienne Schneider
)

(Text: Monique Hermes)

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